BRATSCH
Bratsch sind Kult. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert sind sie in den unterschiedlichsten Ecken der Weltmusik unterwegs. Klezmer, Balkan, französischer Chanson, Gypsy und Jazz - sie jagen Sounds, aber nicht um sie zu konservieren, sondern um ihnen unermüdlich neues Leben einzuhauchen.
Urban Bratsch
- Bratsch
- WV 479057
- Harmonia Mundi
So populär wie Bratsch nicht nur in Frankreich, sondern überall auf der Welt sind, ist es doch die Verbindung zu ihren Wurzeln, die es ihnen ermoeglicht, vor zehntausenden Fans genauso zu spielen wie kostenlos in auf einer Strasse in Frankreich. Neben der Tatsache, dass Bratsch ein ausgepraegtes politisches Bewusstsein haben, den Sechzigern entsprungen sind und immer noch recht radikal unterwegs sind, machen sie ausserdem einfach wunderschoene Musik. Auf der Buehne sind sie ganz besonders in ihrem Element: Sie improvisieren Musik und Texte aus dem Stand, manchmal mit halsbrecherischen Balkanbeats. Es sind vor allem diese Freiraume fuer Improvisation, die Bratsch sich und den Zuhoerern lassen, die ihre Fans begeistern - genauso wie ihr Humor und ihre virtuose Spielfreude.
Bratsch in der Stadt? Die Vororte mit ihren mueden, alten Zuegen; die schwarmartigen Menschenmassen in Manhattan bei Daemmerung; das Berlin von Brecht und Weill vermischt mit John Gays London im 18. Jahrhundert; das Paris, in dem noch Kuenstler auf der Strasse arbeiteten im elften arrondissement; politische Querelen, soziale Träume...
Und jetzt, nach 15 Studioalben, begibt sich Bratsch mitten hinein in die Mythen des Stadtlebens. Eine Revolution? Ja und nein. Wie der Violinist Bruno Girard anmerkt: "Das sieht man überall in Osteuropa. Die Musik mag ländlich sein, aber die Texte entspringen einem urbanen Kontext. Sogar Fado und Tango haben eigentlich eine urbane Atmosphäre, die mit verschiedenen Typen ländlicher Musik zusammengehen." Bratsch-Fans werden nicht überrascht sein über die neue Version von 'Scetate', einer neapolitanischen Serenade. "Wir haben immer so funktioniert", meint Akkordeonist Francois Castiello: "Wir ändern nichts im Hinblick auf den Klang des Gesangs und der Instrumente, auch wenn sich das Repertoire und der Ausdruck ändert." Dieses Mal aber "gab es ein wahres Verlangen danach, in eine neue kreative Sphäre vorzudringen, in ein anderes Universum."